Wenn du wirklich jemandem helfen willst:

Schenk’ ihm keinen Fisch, schenk’ ihm eine Angel!

 

Solange die Beschenkten eine Angel halten können. Das ist in Gambia noch überall der Fall, so dass diese alte afrikanische Weisheit – wir sagen heute nüchtern „Hilfe zur Selbsthilfe“ – dort noch Gültigkeit hat.

 

Dieses Gambia, kleinster Flächenstaat Afrikas, etwa halb so groß wie Hessen, ist eigentlich ein gesegnetes Land. Ganz einfach deshalb, weil es im Wesentlichen aus einem Fluss mit dem dazugehörigen Uferland besteht.

 

Dort also ist die Heimat von Wandifa Drammeh, dem Ehemann von Petra Ester, die mit ihrem gemeinsamen Sohn in Filderstadt leben und arbeiten. Sie wissen genau, dass in einem solchen Land Hilfe zur Selbsthilfe unmittelbar Früchte trägt, weil eine funktionierende lebendige Stammeskultur und eine Grundversorgung aus eigener Arbeit noch vorhanden sind.

 

Deshalb, aber auch aus der Verbundenheit mit diesem schönen Land Gambia heraus, ist das Ehepaar aktiv geworden und hat den gemeinnützigen Verein YIRABAH gegründet. YIRABAH bedeutet: Geheiligter Ort. Ein Ort mit einem Baum, der den gleichen Namen trägt. Ein Ort an dem man seine Gebete verrichtet und in sie die dringlichsten Wünsche einschließt. Man kann sich kaum eine bedeutungsträchtigere Namensgebung vorstellen.

 

Auch in Gambia, wie in vielen afrikanischen Staaten, droht der subventionierte Billigimport Gewohnheiten und Fähigkeiten zum Erlahmen zu bringen, da importiertes Gut oft halb so viel kostet, wie es den Selbsterzeuger an Eigenaufwand kosten würde.

 

Deshalb war die erste wichtige Aktivität von YIRABAH und der Dorfgemeinschaft in Gambia, die verrottete Reisschälmühle instand zu setzen. Heute läuft sie wieder, ist täglich im Gebrauch und entlastet die Frauen, damit sie sich der Familie und auch der Weiterbildung zuwenden können. Alle Dorfbewohner haben Zugang, bezahlt wird mit dem „Zehnten“, d. h. jeder zehnte Becher Reis geht an die Mühle. Davon wird Dieselkraftstoff gekauft und die Instandhaltung bezahlt.

 

Wichtigstes nächstes Projekt ist der Bau einer neuen Ölmühle. Früher gab es eine funktionierende Ölmühle – sie ist längst verrottet. Damit nicht importiertes Öl zu hohen Preisen gekauft werden muss, soll künftig Öl aus eigenem Erdnuss- und Sesamanbau vor Ort gewonnen werden. Ein festes Gebäude, das Wind und Wetter trotzt und lebensmittelhygienischen Anforderungen genügt, wird darum herum gebaut.

 

Schule und Ausbildung sind wichtig, damit die Menschen in Gambia ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen können. So wurde gerade eine Schule mit Tischen und Bänken, die vor Ort aus heimischen Hölzern geschreinert wurden, ausgestattet. Wandifa Drammeh, gelernter Schreiner, hat dafür das Notwendige getan. Schul- und Kindergartenpartnerschaften sind bereits mit Filderstädter Einrichtungen in die Wege geleitet worden.

 

Hier sieht man, wie Engagement und Hilfe zur Selbsthilfe zu Aktivitäten führen, die sich selbst entwickeln und erhalten können. Da macht es Freude dabei zu sein, seine Spende zu leisten oder noch besser aktiv mitzuarbeiten an der Umsetzung – von hier aus oder auch dann vor Ort. Dann wird auch selbstverständlich, dass Wünsche und Gebete unter dem YIRABAH-Baum erhört werden.

Ulrich Lilienfein

 

Kontaktdaten

YIRABAH Gambia Verein e.V.

Petra Ester, Rembrandtweg 6, 70794 Filderstadt

 

Spendenkonto Nr. 100692844, BLZ 611 500 20 bei der KSK Esslingen-Nürtingen

 

 

* Das Original dieses Artikels ist zu finden im Archiv unter Ausgabe Sommer 2008 Seite 3